Zeickhorn mit Forsthub und Buscheller

 

Das alte Cicurni

Unter den Orten der heutigen Großgemeinde Grub nimmt Zeickhorn eine besondere Stellung ein. Obwohl es heute mit Grub regelrecht zusammenwächst, so hat Zeickhorn seine eigene Geschichte. Bis 1840 gingen seine Einwohner noch in die Kirche nach Großgarnstadt. Erst damals kam es im Tausch gegen Friesendorf (das nach Grub pfarrte) nach Grub.

Eines hat Zeickhorn seinem größeren Nachbarn voraus: Es ist sein Alter! Schon im 10. Jahrhundert wird es genannt - das ist die Zeit, in der die sächsischen Könige und Kaiser der Ottonen herrschten.

Dabei tritt es unter den für unseren Raum fremdartig klingenden Namen Cicurni in das Licht der Geschichte. Es erscheint so in den Kapitularien des Klosters Fulda. Sollte das Wort nicht von dem die Urkunde in Latein schreibenden Mönch verunstaltet worden sein, dann stammt es aus dem Slawischen. Alle Sprachforscher sind sich darin einig, und das geschieht selten genug.

Ohne in seitenlangen Abhandlungen ihre Überlegungen zu verfolgen, kann hier ihre Erklärung gegeben werden: Sie deuten das Wort mit „Siedlung, die drüben auf dem Berg liegt" oder kürzer: „Jenseits liegender Bergort". Das paßt genau zur landschaftlichen Lage: der Ort liegt auf einem Bergplateau, abfallend zum Füllbachtal.

Eine neuere Forschungsarbeit deutet das Wort mit dem slawischen Sykora für Meise, was also Meisenberg bedeuten würde.

Der Name Zeickhorn erfährt in der Schreibweise in den Urkunden einige Abänderungen: Cicurne (11. Jh.), Zy­kurn (1317), Zeukurn (1323), Zykurn (1740), Zeykorn (1516). Erst die jüngste Schreibweise fügt ein „h" ein, was zu der irrigen Annahme führt, der Name hätte etwas mit „horn" zu tun.

Der slawische Ursprung des Namens ist kein Beweis, daß der Ort von slawischen Wenden oder Sorben gegründet wurde. Der Name könnte auch von fränkischen Siedlern übernommen worden sein. Doch ist er ein nicht wegzudiskutierendes Argument für die Anwesenheit von slawischen Siedlern hier.

 

Flurung und Lage an einer Altstraße

Pfarrer Kipp schreibt (um 1910):

Das Dorf hat eine außerordentlich interessante Flurung. Äcker, Wiesen und Wald liegen nicht im Gemenge, sondern sind seit urdenklichen Zeiten regelmäßig für jedes Gut geordnet. Zeickhorn liegt mit der Hauptmasse seiner Ländereien jenseits des Füllbachs auf dem Berge. Die Flur ist in zehn große parallel laufende Streifen zerlegt, die bei der Böschung nach dem Tal beginnen und sich durch die ganze Gemarkung hin ziehen. Jedem Bauerngut des Ortes ist heute noch ein solcher Streifen zugehörig.

Zweifelsohne hat den einstigen Inhabern von der ganzen Flur weiter nichts gehört, als eben dieser Streifen. Man kann noch ganz deutlich die Anordnung des Kulturlandes nachweisen, wenn auch heute natürlich viele Verschiebungen eingetreten sind. Zuerst nach den Gärten kam in unmittelbarer Nähe des Ortes das Wiesland; wegen der in alter Zeit angewandten Weidewirtschaft mußten die Wiesen möglichst nahe beim Orte sein, schon der wilden Tiere wegen. Nach den Wiesen, weiter draußen, lagen die Äcker und hinter den Äckern kam der Wald, der sich bis an die Grenze der Gemarkung erstreckte. Diese Anordnung ist bei jedem Streifen noch erkennbar. Eine solche Verteilung und Anordnung der Flur ist aber germanische Art

Für die Entstehung Zeickhorns bietet die Straßenforschung einen bemerkenswerten Hinweis:
Die alte Nord-Süd-Verbindung (die spätere Pilger- und Handelsstraße nach Leipzig) führte aus Richtung Nürnberg über Bamberg entlang der östlichen Itztalberge nach Norden. (Im Tal selbst verlief keine Straße!) Etwa bei Roth bog sie am Nordrand des Banzer Waldes ostwärts ab, um dem versumpften Coburger Talkessel zu entgehen und auf kürzestem Wege die Steinach-Furt bei dem heutigen Fürth am Berg zu erreichen. Von hier aus führte die Straße über den Sattelpaß im Thüringer Wald. An geeigneter Stelle sei dabei Zeickhorn entstanden. Ohne Zweifel ist dies eine interessante Hypothese für die vieles spricht.

 

Die Herrschaftsverhältnisse von Zeickhorn

Die Herrschaftsverhältnisse von Zeickhorn sind leichter zu durchschauen als die von Grub. Nach Herausbildung der Landesherrschaft war es hennebergischer Besitz, wie die Urbarien von 1317 und 1340 bestätigen. Als solcher kam es an die Wettiner 1353 (Markgrafen, Kurfürsten und Herzöge) unter deren Herrschaft es bis 1918 blieb. Innerhalb ihrer Grenzen war Zeickhorn der landesfürstlichen Gerichtsbarkeit der Cent Neustadt unterworfen, während für Grub die Cent Unterlauter zuständig war.

Als während der Reformation das Kloster Sonnefeld verstaatlicht und dort ein eigenes Amt gegründet wurde, erhob man es auch zum Gericht, das aber immer noch eine gewisse Verbindung zu Neustadt besaß. Zeickhorn wurde diesem sogen. „Hilfsgericht" zugewiesen und verblieb auch bei Sonnefeld, als dieses als Amt und Gericht völlig selbständig wurde und ebenso wie Roth 1705 - während der damaligen Erbauseinandersetzungen dem Fürstentum Sachsen-Hildburghausen zugeschlagen wurde. 1826 kehrte es wieder zu dem nunmehrigen Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha zurück.

Vergleichsweise einfach sind auch die Lehensverhältnisse. Als erster Lehensherr erscheint um 1200 das Kloster Banz. Unklar ist die Rolle eines Coburger Bürgers namens Marold. Er hatte wohl - wie aus dem Fortgang der Ereignisse geschlossen werden kann - die Vogteirechte und den Zehnten in Zeickhorn erworben.

 

1323 erfolgte eine entscheidende Wende. Das Kloster Sonnefeld tauschte mit Banz den Ort Zeickhorn gegen den alten Klosterhof zu Großgarnstadt ein und erwarb im gleichen Jahr von Marold dessen Rechte in Zeickhorn.

Von dieser Zeit an war Zeickhorn ein geschlossenes Lehensdorf des Klosters Sonnefeld. Nach dessen Verstaatlichung (Säkularisierung) während der Reformation übernahm das fürstliche Haus Sachsen alle Rechte und Pflichten, das ja die Landesherrschaft schon längst besaß. Nach Pfr. Kipp waren dabei zu Beginn des 16. Jahrhunderts folgende Abgaben zu leisten: Sie betrugen 150 Pfund Heller für das Forstrecht, (wahrscheinlich für den Schutz der alten Gerechtigkeiten einst gefordert und gegeben) 9 Sümmern Holzhaber, 11 Groschen Hundshaber. Dazu Weinfuhren aus Franken und die anderen gewöhnlichen Abgaben und Fronen, wie sie bereits bei Roth genannt sind. Das Dorfbestand in dieser Zeit aus 10 Gütern, 1 Sölde, 1 Mühle.

Diese Verhältnisse hatten sich auch 60 Jahre später nicht geändert. Die Abgaben, die die einzelnen Gehöfte jährlich dem Lehensherrn nach Sonnefeld bringen mußten, waren fast für jedes Gut gleich. Sie betrugen 9 Groschen Zins, 8 Käse, 40 Eier, 1 Fastnachtshuhn und 1 Zehnerhuhn. Von den Namen der Inhaber dieser Bauerngüter, die im Jahre 1584 gefunden wurden, ist zur Zeit (um 1910) noch einer im Orte, nämlich Reißenweber: Michael Reiyenweber gibt jährlich von einem Acker aufem Mühlberg 3 Pfennig Zins.

Auch in Zeickhorn wird in dieser Zeit noch Wein gebaut; Mühlleite, Mühlrangen, Schnurleite sind die Weinlagen, an denen auch auswärtige Inhaber teilnahmen. Es scheint damals sogar ein Aufschwung des Weinbaues stattgefunden zu haben, denn man liest bei mehreren Weinbergen den Zusatz: „Das war ein Acker gewest." Auch von den Weinbergen ist Zins an Sonnefeld zu bezahlen gewesen.

Das Lehenbuch fügt noch bei: „Wird ein Gut verkauf't, so wird Handlohn (Lehensgeld an den Lehensherrn) gegeben von jedem 20 Gulden 1 Gulden"(also 5 Prozent). Der Zehnte, der wie oben erwähnt, dem Kloster Sonnefeld zugehörte, wurde zu Dorf und Feld, d.h. vom Vieh und von der Frucht erhoben. Sie geben den zehnten Teil von allem Getreide, Hanf, Flachs, Rüben und Kraut, und zu Dorff die l0. Gans, von anderem Vieh nichts.  Das Gesamteinkommen, das der Lehenshof hatte, belief sich in dieser Zeit auf 2 Gulden 3 Groschen Erbzins Walpurgis, 2 Gulden 8 Groschen 10 Pfennige zu Michaelis, 12 Fastnachtshühner, 11 Zehenthühner, 1 Schock 18 Käse, 7 Schock 10 Eier.

 

 

Die Zeickhorner Mühle

Eine besondere Rolle in der Geschichte Zeickhorns, ja des gesamten Umlandes, spielt die Zeickhorner Mühle. Abseits vom eigentlichen alten Dorf liegt sie als einziges Gehöft im Tal am Füllbach. An den zehn auf dem Berg liegenden Gewannen des Dorfes hatten sie keinen Anteil. Ihr Besitz lag im Grunde an einem Stock Dorfsflur diesseits des Baches, der die Flurnamen Mühlrangen, Mühlleite und Mühlberg trägt.

Von den Zeickhorner Erbgütern hatte die Mühle eine Vergünstigung: Sie besaß im Rahmen des Forstrechtes ein größeres Anrecht und wurde auch bei der Ablösung mit einem umfangreicheren Stück Wald abgefunden als die anderen: etwa mit 14 Acker gegenüber 12 Acker.

Die Mühle war, ebenso wie die in Grub, Lehen des Klosters, die dessen Mehlbedarf mit der Grüber Mühle zu decken hatte. Von einem erbitterten Existenzkampf der beiden Mühlen gegeneinander ist nichts bekannt. Es ver­einte sie die Sorge, das Wasser möge genug Kraft aufbringen, um die Mühlräder zu bewegen. Die Zeickhorner stauten es deshalb auf, was ihr in einem mittelalterlichen Steuerbuch den abfälligen Namen „Pfützenmühle" ein­brachte.

Im Jahre 1776 wurde das Verhältnis der beiden Mühlen zueinander gesetzlich geregelt. Der Zeickhorner Müller erhielt dabei das „Stemmrecht", d.h. das Recht, das Wehr einzustemmen, um das Wasser aufzustauen. Jedoch durfte er es nicht über 12 Stunden ausüben, sonst hätte ja der Grüber Müller auf dem Trockenen gesessen.

Das genaue Alter der Mühle liegt im dunkeln. 1514 wird sie zum ersten Male erwähnt, das ist immerhin fast 200 Jahre später als der Ort Zeickhorn 1323. In dieser Urkunde, einem Erbbuch, wird auch schon der Besitzer der Mühle genannt. Es ist die Familie Müller, wobei mit Sicherheit anzunehmen ist, daß sie ihren Familiennamen nach ihrem Handwerk erhielt. Und dies erfahren wir: Die Zeickhorner Müllerin, eine Katharina Müller, mußte 1514 folgendes an ihren klösterlichen Lehensherrn abgeben: 8 Käs, 40 Eier, 1 Fastnachtshuhn und l Zehnthuhn.

Da aber die Sonnefelder Nonnen nicht nur von ländlichen Erzeugnissen leben konnten - oder wollten, mußte zu Walpurgis und Michaelis noch 5 Groschen 8 Pfennige an Geld gegeben werden. Noch im Jahre 1584 saß mit Hans Müller ein Angehöriger dieser Familie auf der Zeickhorner Klostermühle.

1659 erscheint dann mit Georg Reißenweber (Reisenweber) ein neuer Name und die Familie, die den Zeickhornern Jahrhunderte hindurch das Korn gemahlen hat. 1690 übernehmen sie die Söhne Claus und Georg, 1695 Hans und Claus, 1720 Hans Reisenweber. 1729 erbte sie Erhard und 1746 Johann Michael. Ihm folgten Jakob, 1766 Anna Dorothea, dann deren Sohn Jacob, 1806 Johann Reisenweber, dessen Nachfahren über den Enkelsohn Fritz am Anfang unseres Jahrhunderts bis zu dessen Urenkel Claus noch bis heute auf der Mühle sitzen.

 

 

Bauern und Weißbüttner

Weit mehr als im benachbarten Grub steht schon immer die Landwirtschaft als Haupternährungszweig im Vordergrund. Zu einer eigenen Schäferei brachte es der Ort jedoch nicht. Zwar wäre die Aufrichtung eines Pferches in der Flur wünschenswert gewesen, aber seit ältesten Zeiten waren hier die Schäfereien der Orte Großgarnstadt, Ebersdorf, Oberfüllbach und Grub hut- und triftberechtigt.

Dagegen fand sich noch ein Wintergewerbe, für das der Forst das Rohmaterial lieferte: die Weißbüttnerei. Zeickhorn war neben Ebersdorf und Frohnlach eines der drei Büttnerdörfer. Es war uraltes Recht der Weißbüttner, Bäume aus dem Wald kostengünstig zu beziehen. Deshalb erhielten sie auch bei der Ablösung zwei Ackerland Wald mehr eingetragen als die anderen. Um 1900 gab es noch Weißbüttner - heute sind sie ausgestorben.

 

 

Die Sage von Graf Zingoli

Um die Jahrhundertwende ging in Zeickhorn noch eine Sage um. Nach ihr soll auf dem Steinhügel einst ein Schloß gestanden haben, in dem ein Graf wohnte. Sogar dessen Name wurde genannt: Graf Zingoli oder Zingeli.

Zunächst überrascht der dem Wort Cicurni ähnlich klingende Name. Auch der Standort wäre durchaus geeignet gewesen. Doch haben Untersuchungen auch nicht den leisesten Hinweis erbracht. Und so darf die Geschichte weiterhin das bleiben, was sie ist: eine Sage.

 

 

Buscheller

Außer der alten Ansiedlung bestand Zeickhorn noch aus einer Neusiedlung, der Buscheller.

Sie liegt nördlich des Füllbaches, am Rande einer nach dem Bach hin abfallenden Höhe. Diese einst öde mit Büschen bewachsene „Eller" gab der Siedlung den Namen.

1584 stand noch kein Haus hier, jedoch war der Boden urbargemacht. Zu dieser Zeit verzeichnet das Erbbuch: Michel und Hans Müller zu Zeyhorn geben jehrlich von einer Ellern, die puschellern, ober dem Friesendorfer See gelegen, nunmehr zu Aecker gemacht, 3 Groschen Michaelis und 1 Fastnachtshuhn.

Eine Ziegelei, an der Grenze zur Rohrbacher Flur gelegen, jedoch jenseits, ging später wieder ein.

Um 1910 wohnten hier 54 Menschen in 9 Familien.

Seit 1. Januar 1971 ist Zeickhorn mit Buscheller ein Ortsteil von Grub am Forst.