Rohrbach - Das Dahliendorf

Willkommen in Rohrbach




    Dahlienblüte in Rohrbach




 


Das Dahliendorf

Von all den Ortsteilen der Gemeinde Grub am Forst liegt Rohrbach am weitesten abseits der Eisenbahn und der großen Straßen. Gerade eine Ortsverbindungsstraße von Seidmannsdorf und Lützelbuch nach Grub durchschnei­det den Ort.

Rohrbach gewinnt jedoch seiner verkehrsmäßigen Abgeschiedenheit eine positive Seite ab: Es betont die wohl­tuende Ruhe in seinem Ort und hat sich zu einem Schmuckkästchen herausgemausert. Als „Dahliendorf" wurde es weit über die engere Heimat hinaus bekannt, leuchten doch alle Jahre unzählige Blumen und verwandeln den Ort in einen großen Garten.

Die Bemühungen um ein ansprechendes Dorfbild brachten auch 1979/80 im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ die Auszeichnung als das schönste Dorf des Kreises. .Als 1. Preis erhielt Rohrbach damals den „Froschbrunnen“, der nunmehr den Dorfteich ziert.

Der Froschbrunnen in Rohrbach

Obwohl der Großteil der Bewohner zur Arbeit in die Fabriken der Umgebung fährt, ist das Ortsbild noch vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Eine Anzahl Vereine fördern das gesellige Leben.






Das Dorf am„ Schilfrohr-Bach"

Die bis dahin selbständige Gemeinde Rohrbach schloss sich im Rahmen der Gemeindegebietsreform am 1. April 1971 durch einen Eingemeindungsvertrag der Gemeinde Grub am Forst an und ist seither deren Ortsteil.

Wenn auch die ersten Anfänge des Orts im Dunkeln liegen, so gibt doch seine Geschichte keine großen Rätsel auf. Sie ist unkompliziert wie der Ortsname, der sich von dem Bächlein ableitet, das den Ort durchfließt.

Es muss an seinen Ufern wohl einen außergewöhnlichen Schilfbestand gehabt haben - sumpfige Stellen sind heute noch vorhanden - so dass dieser im Namen seinen Niederschlag fand. Der Name des „Schilfrohrbaches" hat sich auf die Ortschaft übertragen. Genannt wird der Rorabah schon in der Grenzbeschreibung des Banzer Waldes, die in der Abtei Fulda vor dem Jahre 1000 verfaßt wurde.

Der Ort ist nicht so alt. Sein Name erscheint als Rorbach erstmals im Neustadter Erbbuch von 1317. Über ihn selbst berichtet eine Urkunde aus dem Jahre 1329. In diesem Jahre übergeben die Gebrüder Füllbacher dem Kloster Sonnefeld 4 Güter zu Kleingarnstadt, 3 Hofstätten in Oberfüllbach, wie auch all ihre Güter zu Rohrbach und Tanneich.Das Dorf Tanneich, das hier genannt wird, ist verschwunden. Es ist eine Wüstung, wie zahlreiche Orte im Coburger Land.

Einer der Teiche in Rohrbach

 

 

Die Lehensherrschaft

Im Jahre 1349 übergab die Gräfin Jutta von Henneberg die Vogteilichkeit über das Dorf Rohrbach dem Kloster Sonnefeld. Das kann nur im Zusammenhang mit dem Eintritt ihrer Tochter Anna in das Kloster gesehen werden, der auch 1353 nach ihrem Tode, erfolgte. (Das Standbild der Anna dort ist das herausragende Kunstwerk der Kirche.)

Sonnefeld konnte seinen Rohrbacher Besitz 1366 noch um ein Gut vergrößern, das es dem Rüdiger von Rohrbach abkaufte. (Damit begab sich der letzte Freie des Dorfes unter klösterliche Lehenshoheit.) Dieser Einzelhof hob sich durch räumliche Trennung von den übrigen 6 Höfen ab, die alle dem Sonnefelder Kloster zehntpflichtig waren.

Das älteste Sonnefelder Erbbuch aus dem Jahre 1514 gibt uns 7 Anwesen in Rohrbach an, die dem Kloster zehntpflichtig sind. Nur ein Acker in der Flur ist zehntfrei, der sogenannte „Baumacker“. In der ganzen Rohrbacher Flur gab es durch alle Jahrhunderte hindurch nur ein Stück Feld, das von allen Abgaben befreit war, dem Baumacker. Er führt in allen Hinweisen diesen Namen und befindet sich westlich von Rohrbach immer bei dem oben genannten Anwesen.

Es darf mit Sicherheit angenommen werden, daß Rüdiger von Rohrbach sich die Zehntfreiheit beim Verkauf seines Gutes an das Koster ausbedungen hat. Obwohl uns dies nicht bekannt ist, so hat er wohl sein ehemaliges Eigentum wieder als Lehen von dem Kloster empfangen, wie dies häufig geschah.

Hingegen sind spätere Lehensleute auf diesem Hof für die folgenden 150 Jahre nicht verbürgt. Erst das Sonnefelder Erbbuch von 1514 gibt Auskunft. In diesem Jahre sitzt ein Georg Knoch auf dem Gut, welches vorher Claußen Geußen gewest, der seinem Lehensherrn folgende Abgaben schuldig ist: 5 Pfund Geld in der Landeswährung, 16 Käse, l Schock 10 Eier und 8 Hühner. Das waren die damals üblichen Steuern, die jeder Bauer seinem Lehensherrn entrichten mußte. Hinzu kam noch der Zehnt. Für das gleiche Gut muß im Jahre 1646 ein Gulden und ein Pfennig bezahlt werden. (Der gesamte Wert des Gutes beträgt zu jener Zeit 50 Gulden!)

Der oben genannte Georg Knoch übergab seinen Hof seinen drei Söhnen Heinrich, Clauß und Hans, die eine Teilung vornahmen. Einer gründete aus seiner Erbschaft ein eigenes Anwesen, das spätere Ganßengut. Der älteste und Hauptteil davon, das spätere Anwesen Haus Nr. 11, ist im Besitz des Heinrich Knoch. Wäre dies nichturkundlich belegt, gäbe es einen anderen hinreichenden Beweis: Bei diesem Gut befindet sich der Baumacker!

Das Gut selbst bestand zu jener Zeit aus einem Wohnbau, einem Stadel samt Garten, Feld und Wiesen, etwas Holzbestand, einem Weinberg am Ziegenrangen und drei Kühen.

Von diesem Heinrich Knoch ging 1659 das Gut an einen Hans Grobitschky aus Roth am Forst über. Einer seiner Vorfahren war aus Polen eingewandert, weshalb sie „die Pol'n“ genannt wurden. Rund 150 Jahre saßen er und seine Nachkommen auf dem Hof; 1790 kaufte ihn Caspar Baumann, von dem er 1807 an Nicol Kempf und nach ihm an Johann Engelhard und in unserem Jahrhundert an Rudolf Schulz überging. Das Gut blieb bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts Besitz des Klosters und späteren Amtes Sonnefeld.

 Ortsansicht von Rohrbach


Landesherrschaft und weitere Abgaben

Mit der Verstaatlichung (Säkularisation) des Klosters im Verlaufe der Reformation war Rohrbach an Kursachsen gekommen, dessen Staatsgebiet dann in zahlreiche Fürstentümer zergliedert wurde. Rohrbach gehörte zunächst zu Coburg, von 1705 bis 1826 zum Fürstentum Sachsen-Hildburghausen und dann 1826 an das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Es teilte dabei das Schicksal von Roth und Zeickhorn (siehe dort).

Im 18. Jahrhundert war der Ort um vieles kleiner als heute. Aus den Jahren 1719 und 1753 werden 19 Häuser angegeben, 1793 sind es schon 22 „Feuerstätten" und 1820 sind es 26 Anwesen. Darunter befinden sich 12 Güter, 7 Sölden und 7 Tropfhäuser. (Die letzteren sind Häuser ohne jegli­chen Grundbesitz.)

Im Jahre 1793 beschreibt der Sonnefelder Geschichtsschreiber Faber den Ort ein Dorf mit 90 Seelen, auch hinlänglicher Viehzucht und Anspann, einem Amtsschultheißen, pfarret nach Großgarnstadt (Anm. seit 1840 nach Seidmannsdorf!) frohnt nach Cohurg, hat aber keine Forst- noch andere Holzgerechtigkeit.

Die Fron (alte Schreibweise: Frohn) wurde von den Frohnvierteln Wasungen und Frohnlach im Jahre 1804 für 16000 Gulden frk. abgelöst. Dazu mußte Rohrbach 2005 Gulden beitragen.

Schließlich hat Rohrbach im Jahre 1820 nur noch 50 Sümmern Hundshaber nach Coburg zu liefern. (Diese uralte Abgabe diente als Futter für die herzoglichen Jagdhunde.) Der Schultheiß erhielt für das Einsammeln eine kleine Vergütung.

Der Getreidezehnt stand dem Amt Sonnefeld zu, das auch den Blutzehnt bezog. Diese Zehntpflichtigkeiten bestanden bis zum 31. Dezember 1831; Sie wurden durch die Kapitalsteuer abgelöst.

Vergleichsweise spät bekam Rohrbach die Schankgerechtigkeit. Im Jahre 1780 konnten seine Bauern erstmals ihr Dorfwirtshaus (Haus Nr. 4) besuchen. Vorher mußten sie in den nächsten Ort, um Bier zu trinken. Dabei hatte der Ort aber auch nunmehr weder eine Brau- noch Brenngerechtigkeit.

Vielleicht haben sie vorher ihren selbstgebauten Wein getrunken. Ihre Weinberge hatten sie am Ziegenrangen, dem Abhang, der sich von der Coburger Straße nach dem Dorf hinzieht. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam sein Anbau zum Erliegen.