Die Kiefer- ein Zeitzeuge der Grüber Geschichte

Waldkiefer
Am Dienstag, den 1. Juli 2014, wurde die altehrwürdige „Kiefer“, ein markantes Wahrzeichen im Grüber Ortsbild, wegen der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit für den Spielplatz, die Fußgänger und Fahrzeuge auf der vorbeiführenden Verkehrsstraße gefällt.


 

Um 11:03 Uhr setzte der Gemeindearbeiter Oliver Fischer die Motorsäge zum finalen Schnitt an die Stammbasis. Unter den betroffenen Blicken von vielen Grüber Bürgern schwebte der alte Baum wenig später am Kran von seinem jahrhundertelangen, im wahrsten Sinne des Wortes „angestammten“ Platz an der Abzweigung Lichtenfelser Straße/Hohe Straße durch die Luft auf die Straße, um dort abgelegt und weiter zerkleinert zu werden. 

Manch einer der Zuschauer glaubte bis zuletzt nicht an die gravierenden Schäden im Stamm, die zu dieser harten Maßnahme führten. Sah die Kiefer doch noch frisch und, mit fest ansitzender Borke sowie dichtem Nadelkleid ausgestattet, gesund aus. Nun aber war für jeden offensichtlich, dass die untersten 1,5m im Inneren von dem Myzel der Krausen Glucke (einem guten Speisepilz, aber einem Baumschädling) völlig durchmorscht waren. Mit bloßen Händen ließen sich Brocken des bröseligen Kerns herausnehmen.

Groß war die Erleichterung bei den Verantwortlichen, Neu-Bürgermeister Jürgen Wittmann und Gemeinderat Volker Gahn. Sahen sie doch nun ihre Befürchtungen, die durch ein Baumgutachten kurz zuvor mit niederschmetternden Untersuchungsergebnissen ausgelöst worden waren, voll bestätigt. Der Grüber Heimatverein ließ sich eine Baumscheibe und den mittleren Stammteil sichern, um zum einen die Geschichte dieses eindrucksvollen Naturdenkmals zu dokumentieren (Auszählen der Jahresringe) und zum anderen aus dem noch gut erhaltenen Stammteil eine Bank und einen Tisch zu machen (Hans-Ulrich Brehm). Diese sollen später – wenn möglich- an dem ursprünglichen Platz des Baumes als Erinnerung aufgestellt werden.

 

Daten zum Baum:

Höhe:                          „ca. 15m“ (K:E)

Stammumfang:            „237 cm“( K.E.); an der abgesägten Scheibe (von 90 cm Höhe)
                                  waren es 225 – 226 cm

Durchmesser:            mit Rinde; 65 cm bis 75 cm (der Stamm hat einen ovalen Querschnitt)

Zustand (von der Borke bis zur Mitte):
2 - 5 cm Jungholz am Rand (weiß, lebend; ca. 47 – 51 Jahre);
16 - 23 cm Kern (graurotbraun, Braunfäule, brüchig-bröckelig, mit weißem Pilzgeflecht durchzogen; ca. 115 Jahre)

Alter:                           „weit über 200 Jahre“ (K.E.).
Die Auszählung der Jahresringe durch Harald Ostrow ergab ein Alter von ca. 250 Jahren.
D.h. die Kiefer stammt etwa aus dem Jahr 1765.

 

Stammdurchmesser (ohne Rinde) im Laufe der Jahre:

1800:               (35 Jahre)       20 cm   (Zuwachs 20 cm)

1850:               (85 Jahre)       40 cm   (Zuwachs 20 cm)

1900:               (135 Jahre)     45 cm   (Zuwachs 5 cm)

1950:               (185 Jahre)     52 cm   (Zuwachs 7 cm)

2000:               (235 Jahre)     59 cm   (Zuwachs 1 cm)


Mikroskopische Untersuchung des weißen Pilzgeflechts:

Monomitisch; Generative Hyphen hyalin, dünnwandig; mit Schnallen; 2-4µ breit; z.Zt. mit groben Kristallen besetzt.

Ergebnis: Es könnte sich um die Hyphen von Sparassis crispa (Krause Glucke) handeln, die ja als bisher einziger Pilz an der Kiefer festgestellt worden ist. Sie ist wohl für die Vermorschung im untersten Stammteil und letztlich für die notwendige Fällung verantwortlich!

 






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Einem kürzlich erstelltem Gutachten eines Sachverständigen für Baumpflege ist zu entnehmen, dass die über 200 Jahre alte Kiefer nicht mehr verkehrssicher und auch die Bruchsicherheit nicht mehr gegeben ist. Zudem hat die „Krause Glucke“ (Pilz)  den Holzkörper im unteren Bereich derart geschwächt, dass ein Sprödbruch des Baumes befürchtet wird. Weiter führt der Sachverständige aus, dass die kleine Krone der Waldkiefer keinen effektiven Rückschnitt erlaubt, so dass er die baldigste Fällung der Kiefer aus Sicherheitsgründen empfohlen hat.

 

30.06.2014:  Stellungnahme des Sachverständigen Edgar Wenisch
zum Gutachten vom 05.06.2014

Bei der Kiefer in Grub am Forst ist die Bruchsicherheit eingeschränkt, die Standsicherheit
(Verwurzelung im Boden) ist aber vollständig nicht mehr gegeben. Der Baum würde
womöglich vor seinem Brechen entwurzeln.
Ein weiträumiges Absperren der Kiefer ist durch die räumlichen Verhältnisse vor Ort
nicht möglich. Ein würdevolles Sterben des Baumes ist leider somit nicht möglich.
Um der Verkehrssicherheit Genüge zu tun, sollte die Kiefer – so schwer es fällt –
gefällt werden.


30.06.2014: Stellungnahme des Revierleiters Coburg-Rögen Wolfgang Weiß:

Als Revierleiter betreue ich den Wald der Gemeinde Grub am Forst seit nunmehr 22 Jahren. Zur Betreuung gehört auch eine alljährliche Kontrolle von Bäumen des Gemeindewalds entlang von Straßen, Wegen und Spielplätzen, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, die sich aus § 823 Abs. 1 ergibt ("Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.").

Kurz formuliert: Auf erkannte Gefahren, die von Bäumen ausgehen, die in ihrer Vitalität eingeschränkt, krank oder beschädigt sind, oder die aus sonstigen Gründen nicht standsicher sind, muss angemessen reagiert werden.

Bereits vor Jahren wurde ich gebeten, die markante Kiefer an der Straße in Richtung Forsthub in Augenschein zu nehmen, weil vom Baum Äste abgebrochen waren und weitere Äste abzubrechen drohten und ein Nadelverlust erkennbar war. Ich empfahl damals, mit Blick auf den Kinderspielplatz am Standort der Kiefer, und der am Grundstück vorbei führenden Straße, eine Fällung. Die Gemeinde Grub am Forst entschied sich für die Pflanzung eines Ersatzbaumes und sicherte einige Äste der Baumkrone mit Seilen. In Anbetracht der Bedeutung des Baumes in der Ortsgeschichte war das eine angemessene Reaktion, um die Kiefer eine Weile zu halten und gleichzeitig die Sicherheit so gut wie möglich zu gewährleisten.

Auch ich bin für den Erhalt alter und markanter Bäume! Aber Sicherheit geht immer vor! Besonders im öffentlichen Raum gilt eine besondere Sorgfaltspflicht, der die Gemeinde nachkommen muss. Die Gemeinde Grub am Forst hat durch ein Gutachten prüfen lassen, ob der Erhalt der Kiefer mit einem angemessenen Aufwand möglich ist. Das scheint nicht der Fall zu sein.

Sicherlich stellt das Fällen des alten Baumes eine deutlich sichtbare Veränderung dar, die von allen sofort erkannt wird. Weniger augenscheinlich ist, dass damit ein schwerer Unfall vermieden wird, der durch das Abbrechen von Teilen der Baumkrone oder Umstürzen des Baumes passieren kann. Solange nichts passiert, ist die Welt in Ordnung. Passiert jedoch ein schwerer Unfall, der von diesem kranken und nicht standsicheren Baum ausgeht, wäre die Gemeinde verantwortlich und haftbar!